Lernen und nicht denken ist unnütz.
Denken und nicht lernen ist zwecklos.
- Konfuzius
Im Jahr 2002 bereiste der Mann Asien. Er ließ sich dabei von einem jungen Asiaten namens Sato Hiroshi helfen, ein Japaner mit einer sehr ungewöhnlichen Sprachbegabung. Wie kaum ein Zweiter beherrschte er viele lokale asiatische Sprachen. Der Mann hatte ihn Mitter der 1990er Jahre kennengelernt, als er für seine Firma in Asien gewesen war. Als Sato vom Problem des Mannes gehört hatte, kam ihm eine Idee, wo er vielleicht Hilfe finden könnte. Aber der Weg dorthin würde lang und beschwerlich sein.
So begab sich der Mann Ende Juli auf eine Reise nach Kathmandu. Mit dem Flugzeug ging es bis nach Jomsom, von wo aus sich eine sechs Tage dauernde Tour anschloss, über Kagbeni, Tangbe, Chele, Soya La, Tama Gaon, Nyi La, Tsarang, Lo Manthang und Ghemi, bis sie eine Klosteranlage erreichten, das am steilen Pass über einem Flusstal lag. Hier würde der Mann eine Begegnung haben, nach der er sich fortan »Jin’Enom« nennen würde.
Es war der 12. August 2002 gewesen. Dank Satos Hilfe konnten sie tatsächlich mit dem Ältesten des Klosters sprechen, das heißt, der Mann, der Jin’Enom werden sollte, erzählte seine Geschichte, dann seine Suche und seine Idee von der Gemeinschaft, während Sato fleißig übersetzte.
Die Unterredung fand in einem der offenen Räume des Klosters statt. Er hatte keine Fenster im eigentlichen Sinne, aber große Öffnungen in den Wänden, die für geregelten Temperaturaustausch sorgten. Der Älteste, ein Mönch, dessen Alter wirklich schwer zu schätzen war, denn er hatte viele Falten im Gesicht und lange, graue Haare, saß auf einem Sessel aus Holz. Sato und der Mann, der Jin’Enom werden sollte, standen. Nun hatte Sato die Geschichte so weit wiedergegeben. Der alte Mönch schwieg, doch dann griff er nach einem langen Holzstab, der neben dem Sessel gelegen war. Er nahm ihn in beide Hände und stützte sich auf ihn, so dass er sich aus dem Sessel erheben konnte. Dann machte er zwei Schritte nach vorne, blieb vor dem Mann, der Jin’Enom werden sollte, stehen und fixierte ihn mit seinen Augen. Plötzlich sprach er.
»Ja«, kam aus seinem Mund, »Du bist Quysthali!«
Der Mann, der Jin’Enom werden sollte, traute seinen Ohren nicht. Hatte der alte Mönch tatsächlich soeben Englisch mit ihm geredet? Es musste so sein, denn die ersten drei Worte des Satzes hatte er eindeutig verstanden. Nur das Letzte nicht. Es hatte einen für ihn etwas fremdartigen Klang, es war so etwas wie kwys-tali oder kwis-tali gewesen.
»Ich bin was?«, fragte er überrascht nach.
»Quysthali«, wiederholte der Mönch.
Nun war auch Sato überrascht. Nicht nur, dass dieser Mönch offensichtlich einige englische Sätze kannte, er war sogar in der Lage, sich damit verständlich zu machen. Und als hätte jener die Gedanken des Japaners erraten, ging er auch schon darauf ein.
»Ja, ich beherrsche ein wenig die Sprache der Engländer«, bestätigte er, »genug, um damit sagen zu können, was ich sagen will. Und ich sage Dir, Du bist Quysthali.«
»Was bedeutet es, dieses Quysthali?«, wollte der Mann, der Jin’Enom werden sollte, wissen.
»Es ist ein altes Wort«, sagte der Mönch. »Die Vorfahren unserer Vorfahren brachten es mit, nachdem die Menschheit die große Reise über den Planeten angetreten hatte. Was es bedeutet? So einfach kann man das nicht sagen. Die erste Silbe Qi bedeutet soviel wie Energie, die letzte Silbe Li Prinzip, Ordnung, Vernunft oder Logik. Qi und Li sind Gegenspieler, auf der einen Seite die ungebändigte, ungebremste Energie, auf der anderen Seite die Ordnung, Kontrolle. Dazwischen steht eine Silbe, von der wir vermuten, dass sie sich von dem Wort zhou ableitet, das bedeutet zeitliche Unendlichkeit. Zwischen Energie und Ordnung steht die Unendlichkeit, denn das ist eine große Herausforderung. Für uns ist Quysthali jemand, der unablässig versucht, den Ausgleich zwischen den beiden Seiten zu erreichen. Viele Menschen teilen die Welt in zwei Seiten, eine gute und eine böse. Und dann verdammen sie alles, was sie als böse, und loben alles, was sie als gut definiert haben. Das ist ein sehr einfaches Vorgehen. Aber Du, Du bist Quysthali. Du machst Dir Gedanken. Du hörst, was beide Seiten zu sagen haben. Und dann erst tust Du etwas. Viele Menschen sehen eine Aufgabe und wagen es nicht, sie anzugehen, weil sie sagen, sie können sie sowieso nicht bewältigen. Du nicht. Du siehst eine große Aufgabe und willst etwas tun. Und zwar nicht, indem Du Dir einfach vorschreiben lässt, was Du zu tun hast, sondern indem Du selber denkst. Deinen Weg gehst und diesen immer wieder hinterfragst.«
Der alte Mann drehte sich um, schon sah es so aus, als wollte er zurück zu dem Sessel gehen, doch da hielt er inne. Er drehte sich wieder zurück und sah den Europäer direkt an.
»Man erzählt sich eine alte Geschichte von den Samurai«, sagte er dann. »Einmal gab es einen neuen Schüler, der hieß Jin’Emon. Aber vor ihm hatte es schon einen großen Samurai gegeben, der ebenfalls Jin’Emon geheißen hatte. Die anderen Samurai fanden es anmaßend, dass es da einen geben sollte, der den Namen dieses großen Samurai trug, also zogen sie ihn auf, indem sie, wann immer sie ihn riefen, seinen Namen verdrehten auf Jin’Enom. Wenn er sie korrigierte oder sich darüber ärgerte, lachten sie ihn aus und meinten, er werde nie so ein Samurai werden wie der große Jin’Emon. Eines Tages dann geschah es, dass einige Ronin – das sind Samurai ohne Gebieter – die Schule überfielen. Leider waren zu diesem Zeitpunkt nicht genügend ausgebildete Samurai anwesend, die sich den Angreifern in den Weg stellen konnten. Doch als diese durch das Tor stürmten, da kamen nicht nur die ausgebildeten Samurai, sich ihnen in den Weg zu stellen, sondern auch der Schüler mit Namen Jin’Emon. Der Anführer der Ronin lachte und wollte wissen, wer er sei, dass er glaube, er könne sich als Schüler einfach so ausgebildeten Kämpfern in den Weg stellen. Der Schüler rief, sein Name sei Jin’Enom und er sei ein Samurai. Dann griff er den Anführer an und besiegte ihn mit einem einzigen Streich seines Schwertes. Die übrigen Ronin waren darüber so entsetzt, dass sie sich ergaben und von den Samurai gefangen genommen wurden. Nun kamen die anderen Schüler und wollten wissen, wieso Jin’Emon den Ronin den Namen Jin’Enom genannt hatte, der doch falsch sei. Weißt Du, was er darauf geantwortet hat?«
»Nein.«
»Er sagte: Ich habe erkannt, dass Ihr Recht hattet. Zuerst habe ich mich geärgert, wenn Ihr meinen Namen verdreht habt, doch dann erkannte ich, dass Ihr Recht hattet. Ich bin nicht der große Jin’Emon. Er kann mir ein Vorbild sein, doch meinen Weg muss ich selber finden und selber gehen. Deswegen bin ich von nun an Jin’Enom. Und so wie dieser Samurai-Schüler stehst auch Du an dem Punkt, da Du dies erkennst. Auch deswegen bist Du Quysthali.«
Der Europäer sog Luft ein und meinte, während sich der Mönch in Richtung seines Sessels zurückbewegte: »Ihr habt Recht. Früher einmal, da habe ich so vor mich hingelebt. Ich habe mir zwar Gedanken gemacht, aber weiter nichts. Nun weiß ich, was ich tun muss. Ich bin ein anderer, und deswegen will ich mich, wie der Schüler in der Geschichte, von jetzt an Jin’Enom nennen.«
Sato schob die Augenbrauen nach oben. Der Mönch drehte sich wieder um und lächelte. Dann nickte er, und während er sich abwandte, um nun doch nicht zum Sessel, sondern in Richtung des Ausgangs zu gehen, murmelte er: »Gut. Das ist gut. Sehr gut. Wenn er so weitermacht, dann können wir ihn in weitere Geheimnisse einweihen. Vielleicht zeigen wir ihm… Nein! Wir zeigen ihm den Kelch! Genau das machen wir, gleich morgen, gleich morgen...«
So ging der Alte aus dem Raum. Und der Mann war nun Jin’Enom geworden.
Anfang des 21. Jahrhunderts verwendet der geheimnisvolle Jin'Enom sein Vermögen dazu, die Gemeinschaft der "Quysthali" zu gründen. Die Romanreihe zeigt den Weg dieser Gemeinschaft in die Zukunft der Menschheit.
Montag, 12. August 2002
Montag, 7. August 2000
Die Jahrtausendwende
Im Jahr 2000 erhielt der Mann, mittlerweile 60 Jahre alt, eine
Benachrichtigung von seiner Bank, dass er sich doch mal um seine
finanziellen Dinge kümmern solle. Er sollte Vermögenswerte umschichten,
vielleicht auch mal daran denken, Immobilien zu kaufen.
Der Mann stutzte. Immobilien? Mehrzahl? Er sollte sich mehrere Häuser kaufen? Zum ersten Mal seit Jahren ging er zu seiner Bank, um sich einen genauen Überblick über seine finanziellen Verhältnisse zu verschaffen. Und da verschlug es ihm die Sprache. Das Portfolio, das vor vielen Jahren so harmlos angefangen hatte, hatte sich so grundlegend gewandelt, dass ihm ein unvorstellbar großes Vermögen gewachsen war. Genau das aber machte den Mann stutzig. Konnte es sein, dass er mit legalen Mitteln an so viel Geld gekommen war? Er forschte nach und entdeckte die Abgründe, in die er sich unwissentlich begeben hatte. Zu dem Portfolio gehörten Firmenbestatter, die fast bankrotte Firmen aufkauften, Arbeitsplätze zerstörten und alles zu Geld machten, was sich noch verkaufen ließ – und das mit großen Profit. Ein anderer Teil des Vermögens stammte aus Spekulationsgeschäften mit Lebensmitteln. Andere Menschen waren verhungert, während sich das Geld auf seinen Konten angehäuft hatte.
Das warf den Mann in schwere Gewissensnot. Was sollte er tun? Zuallererst machte er alles liquide, was er besaß. Damit wurde der Fond, der ihm so viel Geld eingebracht hatte, nahezu ausgetrocknet – für manche mochte das eine späte Genugtuung sein. Doch nicht für den Mann. Da stand er nun und wusste nicht weiter. Was sollte er machen? Das Geld irgendjemand geben? Das war keine Lösung. Es musste sich irgendetwas Vernünftiges damit machen lassen. Etwas, das den Menschen half – auch denen, auf deren Kosten sich das Vermögen angesammelt hatte. Also begann der Mann zu reisen.
Er besuchte die Orte an der Welt, wo er Weisheit vermutete und kam so um die ganze Welt herum. Europa, Afrika, Amerika, Australien. Doch leider konnte ihm keiner helfen, egal wen er auch fragte. Er hatte eine grobe Vorstellung, eine Gemeinschaft zu gründen, doch die Idee war noch sehr vage. Und es schien, dass sein Problem selbst für die Weisen eine Nummer zu groß war.
Seine Reise dauerte zwei Jahre.
Der Mann stutzte. Immobilien? Mehrzahl? Er sollte sich mehrere Häuser kaufen? Zum ersten Mal seit Jahren ging er zu seiner Bank, um sich einen genauen Überblick über seine finanziellen Verhältnisse zu verschaffen. Und da verschlug es ihm die Sprache. Das Portfolio, das vor vielen Jahren so harmlos angefangen hatte, hatte sich so grundlegend gewandelt, dass ihm ein unvorstellbar großes Vermögen gewachsen war. Genau das aber machte den Mann stutzig. Konnte es sein, dass er mit legalen Mitteln an so viel Geld gekommen war? Er forschte nach und entdeckte die Abgründe, in die er sich unwissentlich begeben hatte. Zu dem Portfolio gehörten Firmenbestatter, die fast bankrotte Firmen aufkauften, Arbeitsplätze zerstörten und alles zu Geld machten, was sich noch verkaufen ließ – und das mit großen Profit. Ein anderer Teil des Vermögens stammte aus Spekulationsgeschäften mit Lebensmitteln. Andere Menschen waren verhungert, während sich das Geld auf seinen Konten angehäuft hatte.
Das warf den Mann in schwere Gewissensnot. Was sollte er tun? Zuallererst machte er alles liquide, was er besaß. Damit wurde der Fond, der ihm so viel Geld eingebracht hatte, nahezu ausgetrocknet – für manche mochte das eine späte Genugtuung sein. Doch nicht für den Mann. Da stand er nun und wusste nicht weiter. Was sollte er machen? Das Geld irgendjemand geben? Das war keine Lösung. Es musste sich irgendetwas Vernünftiges damit machen lassen. Etwas, das den Menschen half – auch denen, auf deren Kosten sich das Vermögen angesammelt hatte. Also begann der Mann zu reisen.
Er besuchte die Orte an der Welt, wo er Weisheit vermutete und kam so um die ganze Welt herum. Europa, Afrika, Amerika, Australien. Doch leider konnte ihm keiner helfen, egal wen er auch fragte. Er hatte eine grobe Vorstellung, eine Gemeinschaft zu gründen, doch die Idee war noch sehr vage. Und es schien, dass sein Problem selbst für die Weisen eine Nummer zu groß war.
Seine Reise dauerte zwei Jahre.
Mittwoch, 7. August 1985
Auch der weiteste Weg beginnt mit den ersten Schritt
"Auch der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt."
- Konfuzius
Aller Anfang ist eine schwierige Angelegenheit. Meistens hat das damit zu tun, dass man nicht so recht weiß, wann und wo man anfangen soll. In der Geschichte, die hier angefangen werden soll zu erzählen, gibt es sogar mehrere Anfänge. Jeder für sich hat seine Berechtigung. Dieser Anfang hier ist nicht weniger Wert als die anderen. Aber wir wollen uns nicht den anderen zuwenden, sondern nur diesem.
Dieser Anfang kann sich zu Recht als solcher bezeichnen, denn an erster Stelle steht hier eine Geburt. Die Geburt fand statt im Jahre 1940. Einige Jahre zuvor hatte sich Deutschland zum „Großdeutschen Reich“ aufgeschwungen und war nun gerade dabei, den größten Krieg aller Zeiten zu führen. Fünf weitere Jahre sollten noch ins Land gehen, bis selbiges so sehr am Boden lag, dass es nicht mehr anders konnte als aufgeben, es von den Siegermächten besetzt und letztlich auseinander gerissen wurde.
Die Geburt, auf die wir unser Augenmerk richten wollen, fand dann auch tatsächlich in Deutschland statt. Es war ein Junge, der nicht verstand, was genau in den ersten fünf Jahren seines Lebens vor sich ging, warum es immer wieder Alarme gab und man sich in Kellern verstecken musste, während draußen die Flugzeuge vorbeikamen und Bomben warfen.
Nachdem dieser Alptraum vorüber war, kam der Junge in die Schule. Das war, so kurz nach dem Ende des Kriegs, natürlich alles sehr improvisiert, aber irgendwie musste es weitergehen. Der Junge indessen erwies sich als lern- und wissbegierig, was dazu führte, dass er schließlich als Auszubildender in einer kaufmännischen Lehre angenommen wurde. Dabei stellte er sich so geschickt an, dass er mit Anfang 20 bei einem aufstrebenden Unternehmen unterkam und Karriere machte. Er stieg schnell auf, war der jüngste Abteilungsleiter seiner Firma, irgendwann Prokurist und schließlich gar in der Geschäftsleitung tätig.
Das führte natürlich zu entsprechenden Lohnsteigerungen. Doch der mittlerweile Mitte 30 Jahre alte Mann hatte etwas aus seiner Jugend mitgenommen, eine Art Reflex, der der Generation des Krieges und der Nachkriegszeit entstanden war. Das war der Reflex, für »schlechte Zeiten« vorzusorgen. Seit er Auszubildender gewesen war, sparte er jeden Pfennig, den er nicht unbedingt brauchte. Am Anfang war es ein normales Sparbuch gewesen, doch als sein Gehalt über den Durchschnitt hinauswuchs, empfahl ihm seine Bank etwas anderes, das sie als »Portfolio« bezeichnete, und als gute Anlage für die Zukunft. Was genau das war, kümmerte den Mann nicht weiter. Hauptsache, er würde vorgesorgt haben, wenn nochmal schlechte Zeiten kämen.
So gingen die Jahre dahin. Der Mann merkte in sich zwar eine merkwürdige Sehnsucht, besonders wenn er beobachtete, wie sich die Welt, in der er lebte, nicht unbedingt zum Guten wandelte, aber dennoch ging er seiner Arbeit nach, Tag für Tag. Bis ins Jahr 2000.
- Konfuzius
Aller Anfang ist eine schwierige Angelegenheit. Meistens hat das damit zu tun, dass man nicht so recht weiß, wann und wo man anfangen soll. In der Geschichte, die hier angefangen werden soll zu erzählen, gibt es sogar mehrere Anfänge. Jeder für sich hat seine Berechtigung. Dieser Anfang hier ist nicht weniger Wert als die anderen. Aber wir wollen uns nicht den anderen zuwenden, sondern nur diesem.
Dieser Anfang kann sich zu Recht als solcher bezeichnen, denn an erster Stelle steht hier eine Geburt. Die Geburt fand statt im Jahre 1940. Einige Jahre zuvor hatte sich Deutschland zum „Großdeutschen Reich“ aufgeschwungen und war nun gerade dabei, den größten Krieg aller Zeiten zu führen. Fünf weitere Jahre sollten noch ins Land gehen, bis selbiges so sehr am Boden lag, dass es nicht mehr anders konnte als aufgeben, es von den Siegermächten besetzt und letztlich auseinander gerissen wurde.
Die Geburt, auf die wir unser Augenmerk richten wollen, fand dann auch tatsächlich in Deutschland statt. Es war ein Junge, der nicht verstand, was genau in den ersten fünf Jahren seines Lebens vor sich ging, warum es immer wieder Alarme gab und man sich in Kellern verstecken musste, während draußen die Flugzeuge vorbeikamen und Bomben warfen.
Nachdem dieser Alptraum vorüber war, kam der Junge in die Schule. Das war, so kurz nach dem Ende des Kriegs, natürlich alles sehr improvisiert, aber irgendwie musste es weitergehen. Der Junge indessen erwies sich als lern- und wissbegierig, was dazu führte, dass er schließlich als Auszubildender in einer kaufmännischen Lehre angenommen wurde. Dabei stellte er sich so geschickt an, dass er mit Anfang 20 bei einem aufstrebenden Unternehmen unterkam und Karriere machte. Er stieg schnell auf, war der jüngste Abteilungsleiter seiner Firma, irgendwann Prokurist und schließlich gar in der Geschäftsleitung tätig.
Das führte natürlich zu entsprechenden Lohnsteigerungen. Doch der mittlerweile Mitte 30 Jahre alte Mann hatte etwas aus seiner Jugend mitgenommen, eine Art Reflex, der der Generation des Krieges und der Nachkriegszeit entstanden war. Das war der Reflex, für »schlechte Zeiten« vorzusorgen. Seit er Auszubildender gewesen war, sparte er jeden Pfennig, den er nicht unbedingt brauchte. Am Anfang war es ein normales Sparbuch gewesen, doch als sein Gehalt über den Durchschnitt hinauswuchs, empfahl ihm seine Bank etwas anderes, das sie als »Portfolio« bezeichnete, und als gute Anlage für die Zukunft. Was genau das war, kümmerte den Mann nicht weiter. Hauptsache, er würde vorgesorgt haben, wenn nochmal schlechte Zeiten kämen.
So gingen die Jahre dahin. Der Mann merkte in sich zwar eine merkwürdige Sehnsucht, besonders wenn er beobachtete, wie sich die Welt, in der er lebte, nicht unbedingt zum Guten wandelte, aber dennoch ging er seiner Arbeit nach, Tag für Tag. Bis ins Jahr 2000.
Erstes Buch - Inhalt
Kapitel:
Auch der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt
Lernen und denken
Wohin Du auch gehst, gehe mit Deinem Herzen
Um an die Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen
...
Auch der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt
Lernen und denken
Wohin Du auch gehst, gehe mit Deinem Herzen
Um an die Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen
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